Der eingebildete Kranke (Kabarettarchiv)

 
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Der eingebildete Kranke

 

Premiere war am 11. Januar 2007

Regie: Mathias Neuber
Text von Stephan Hehl, sehr frei nach Moliere

Schwester Stefanie, im kurzen Kittel und mit roten Lippen, verführt ihn zum erfolgreichen Kranksein. Doktor Stefan Frank, seine gottgleiche Stellung genießend, hält ihn klein und unmündig: Privatpatient Unwohl ist bereit, Zehner für Zehner über den Tisch zu schieben. - Das Stück, kabarettistisch eingerichtet nach dem Stück von Moliere, ist rasant inszeniert. Die Pointen sind auf den Punkt gesetzt. Die absurde Blindgläubigkeit Unwohls zu zeigen, gelingt Benjamin Hantschke in subtiler Weise. (LR, 16. Januar 2007)

nicht mehr im Programm

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Kritik: Lausitzer Rundschau, 16. Januar 2007


Krankheit kassenärztlich verschrieben


"Halten Sie Ihre Chipkarte bereit!" Eine ungewöhnliche Aufforderung, steht man an einer Theaterkasse. Die Bühne 8 zeigte vergangene Woche eine Adaption von Molieres Klassiker. Die Premiere in der neuen Spielstätte Erich-Weinert-Straße war ausverkauft, die Lacher ab Beginn der Vorstellung auf Seiten der Darsteller. Der vergnügliche Abend intelligenter Unterhaltung war den Gästen Verzeihung - Patienten ein Schmaus.


Man steht noch in der Eingangstür und ist bereits mitten im Geschehen. Der Zivildienstleistende der Sachsenklinik sitzt im weißen Kittel an der Abendkasse. Forderte die Aufnahmegebühr und Karte der Krankenkasse. Schwester Stefanie (Catherina Schacht) ruft die neuen Gäste auf, fordert nachdrücklich zur Untersuchung. - "Wie geht's Ihnen heute?", - "Eigentlich gut!"- "Eigentlich?" Prompt fällt einem auch ein Zipperlein ein, das längst vergessen schien. - Sofort müsse man den Oberarzt konsultieren und trinken, trinken, trinken. Bis zum Eintreffen des Oberarztes sitzen die Krankenhausaspiranten im Wartezimmer. Kassenpatientin Brünhilde (Sandra Barthold) steht bereits auf der Bühne. Nestelt am Schminktäschchen. Ihr niederer Status verdonnert auch sie zum Warten. Auftritt Herr Unwohl (Benjamin Hantschke). Er ist Privatpatient, genießt die volle Aufmerksamkeit. Schwester Stefanie, jetzt klischeehaft im kurzen Kittel und mit roten Lippen, verführt ihn zum erfolgreichen Kranksein. Doktor Stefan Frank, der Lotse durch das Meer der Übel des teuersten Patienten der Klinik, genießt seine gottgleiche Stellung, hält ihn klein und unmündig. Unwohl hat sich damit bestens eingerichtet, ist bereit, Zehner für Zehner über den Tisch zu reichen und sein Kranksein teuer zu bezahlen. Man gönne sich ja sonst nichts. Die autoritäre Köchin Klößchen ( Elke Noack) und der faule Zivi (Daniel Göring) komplettieren das Ensemble. Die absurde Blindgläubigkeit Unwohls zu zeigen, gelingt Benjamin Hanschke in subtiler Weise. Ein nervöses Augenrollen oder ein angestrengtes über die Lippen Lecken verdichten das Bild des Hypochonders. Es hat den Anschein, als entwickle der Amateur noch beim Spielen winzige Pointen. Er ist überzeugender als so mancher seiner professionellen Kollegen in Cottbus mit Festgehalt. Die Qualität liegt in der Freude am Schauspielern. Sandra Barthold überzeugt mit großer Schnauze und Weichheit.

Das Stück ist rasant inszeniert. Lebt von einer Eigendynamik, die sich noch am Premierenabend weiter zu entwickeln scheint. Der Regisseur und Künstlerische Leiter Mathias Neuber vertraute in der relativ kurzen Probenzeit auf die Spielfreude und das Talent seiner Mimen, situativ zu agieren. Die Pointen dieser Fassung sind auf den Punkt gesetzt. - Die Textvorlage zum Stück stammt vom Düsseldorfer Kabarettisten Stephan Hehl. Grundlage bildete das letzte Werk des französischen Dramatikers Moliere. Hehl adaptierte das Thema. Lässt seine Figuren den Originaltext gebrauchen, wie es ihnen gerade dienlich ist.
KATI SPRIGODE

 

Ensemble und Besetzung

 

Besetzung:

Schwester Stefanie (Catherina Schacht)
Dr. Stefan Frank (Markus Roder)
Brünhilde (Sandra Barthold)
Klempner Rohrputz (Mathias Neuber)
Herr Unwohl (Benjamin Hantschke)
Köchin Klößchen (Elke Noack)
Zivi (Mathias Rudolf)

Regie: Mathias Neuber
Technik: Mathias Rudolf
Souffleur: Volkmar Weitze